BRANKO ARNSEK
MUSIKER - KOMPONIST - PRODUZENT - DOZENT
Bernd Epple 22.08.2025 - 14:34 Uhr
Bassist Branko Arnsek hat sechs hochkarätige Musiker um sich geschart. Foto: Bernd Epple
Die Böblinger Jazztime-Reihe war beim „Sommer am See“ zu Gast.
Das Branko Arnsek Septett begeistert das Publikum mit einer breiten Klangpalette.
In der Region ist er ohnehin kein unbeschriebenes Blatt in Sachen Jazz; doch im Laufe der Jahre hat sich der in Sindelfingen aufgewachsene Slowene Branko Arnsek zu einem der gefragtesten Bassisten in zahlreichen Genres weiterentwickelt. Der musikalische Globetrotter mit Balkanwurzeln hat sich nach zahlreichen Aufenthalten in Kuba besonders dem Latin-Groove verschrieben und eine Band zusammengestellt, die das musikalisch umsetzen kann – darunter der kubanische Perkussionist Marcos González Jimánez und die kubanische Sängerin Mayelis Guyat.
Das war beim Jazztime-Konzert bei der Böblinger Veranstaltungsreihe „Sommer am See“ in der Alten TÜV-Halle zu erleben. Zwar musste Guyat am Donnerstagabend krankheitsbedingt passen, die rund 150 Besucher durften sich dennoch auf feurigen, spanischsprachigen Gesang freuen. Arnsek, inzwischen auch Fachbereichsleiter für Pop-Rock-Jazz an der Stuttgarter Musikschule, organisierte kurzfristig den Gastauftritt der ebenfalls kubanischen Sängerin Lisay Torranzo Hernandez aus München. Mit Rhythmus im Blut transportierte diese gestenreich und tänzerisch kubanische Lebensfreude, die sie gelegentlich mit jazzigen Scatphrasen garnierte.
Erst Balkan-Sound, dann kubanische Grooves
Mit Frank Eberle (Piano), Michael Mischl (Schlagzeug), Janos Löber (Trompete) und dem Schönaicher Andreas Francke (Altsaxofon) ging es gleich von Anfang an zur Sache. Mit scharfen Bläserriffs und einem perkussiven Kontrabasssolo begann es zunächst slawisch beeinflusst („Becanovic“) mit einer Überleitung in kubanische Gefilde, in denen sich Francke mit einem Sax-Solo á la Charlie Parker sichtlich wohl fühlte. Nach rund einer Viertelstunde trat dann in „Obatala“ erstmalig González mit einem feinen Congasolo in den Vordergrund. Arnsek schien nahezu in seinem Kontrabass zu versinken, so sehr tauchte er in seine Musik ein. Eberles Finger flogen über die E-Piano-Tasten und deuteten erfrischend an, was da im späteren Verlauf noch kommen sollte. Bereits bei der Nachfolgenummer „D‘Avinci“ brachen feurige Unisono-Phrasen aus dem Gesamtgefüge aus und unterstrichen Arnseks kompositorische Fähigkeiten, mit denen er diverse ethnische Einflüsse in jazzige Gewänder steckt. „Balkan, Jazz, Salsa – egal, ist ohnehin alles dasselbe“, sollte er im späteren Konzertverlauf noch augenzwinkernd aufklären. Vor der Pause gab es mit „Charlie“ noch einen fast lupenreinen Cha Cha Cha, von Drummer Mischl noch zusätzlich „kubanisiert“, sowie von Sängerin Hernandez‘ strahlender Bühnenpräsenz. „Eine spannende Mischung von Balkan, Jazz und Kuba – eine freudige Sauce, also eine ganz persönliche Art Salsa!“, war auch der künstlerische Leiter der Jazztime, Tilman Jäger, begeistert.
„Ich will hier ein paar Rhythmen verwurschteln“
In Teil zwei des Abends gelang es dem Septett, ordentlich aufgewärmt und beklatscht, noch eine Schippe draufzulegen. „Balanza“, eine einfühlsame Ballade, überraschte mit wunderschönem Pianosolo, knackigen Unisono-Einwürfen der beiden Bläser, fulminanten Scat-Passagen und für „Sirba me da“ schnallte sich Arnsek den E-Bass um. „Ich will hier ein paar Rhythmen verwurschteln“, ließ der prächtig gelaunte Bassist wissen. Das ist ihm zweifelsohne gut gelungen. Bis zum Ende des Programms gab es noch Bebop-Elemente, treibende Beats, Rap-Anklänge und grandiose Soli von allen Akteuren.
Die lautstarken Zugabe-Forderungen wurden gerne bedient. „Dame alegría“, zu Deutsch „Gib mir Freude“, welch passender Titel zum Abspann. Freude hatten Band und Publikum an diesem Abend allemal.