Folk und Zigeunerjazz beim Kulturspektakel:
Open-air unter Neonfarben
Musik zum Nulltarif / „Familienprogramm" ist gut besucht

„Wenn ich nach Hause komme, verbrenne ich meine Geige!" Sichtlich angetan zeigt sich der etwas ältere Besucher vom „Mecki Balog Quartett" mit seinem „Teufelsgeiger" Alexander Kraus. Trotz sau-ungemütlichem Wetter ist das Kultur-spektakel schon am Samstagnachmittag gut besucht. Obwohl, so ganz „Umsonst & draußen" geht's nicht zu. Einschränkung: Uber den Köpfen die neonfarbenen Dreiecke des Verpflegungszeltes (wenn auch das befürchtete Wetterdesaster ausbleibt), und fürs Kaffee- und Kuchen-Schlaraffenland muß man auch was blechen. Aber die Musik gibt's gratis dazu.
Nach knapp halbstündigem Soundcheck fiedelt, klampft und zupft das Mecki Balog Quartett ein paar Runden. Trotz der dazugehörenden Lässigkeit der vier Musiker ist ihr Klang mitschneidereif. Jazzstandards des französischen Komponisten und Gitarristen Django Reinhardt oder Stücke wie Csardas von Monti ziehen immer mehr Zuhörer an, so daß die Stühle bald nicht mehr reichen. Aus Sindelfingen kommend und hier auch bekannt: Kontrabassist Branko Arnsek. Über den Kontakt zu ihm lief auch das Engagement des Quartetts. Organisator des Nachmittagprogramms ist diesmal die ihr „Zehnjähriges" feiernde IG Kultur, die einen Teil der Konzertkosten mit einem Zuschuß aus Landesmitteln über den
„Jazz-Förderverband Baden-Württemberg" decken kann.
Warum überhaupt eine Veranstaltung wie „Umsonst & draußen" auf dem Kulturspektakel? Erfahrungsgemäß kommt etwas leichtere Musik in lockerem Rahmen nachmittags besser an, weiß Albrecht Barth. Der IG-Kultur-Vorsitzende nennt dies „ramilienprogramm" , und tatsächlich schlurfen einige kleine Balger ihren O-Saft im bunten Zelt. Nach dem Zigeunerjazz wird's folkig.„Second Hand" tritt als zweite Gruppe auf Den Namen haben sie sich nach eigenen Angaben deswegen gegeben, ,weil wir nur Stücke nachspielen". Das Zelt ist noch voller geworden, die Leute sind begeistert. Ihr Auftritt beim Kulturspektakel hat eine komplizierte Vorgeschichte: Eigentlich hätten sie das Folk-Festival im Juli auf dem Sindelfinger Marktplatz eröffnen sol-len. Doch dann überließ man den Marktplatz kurzfristig einer anderen Veranstaltung und zog vor die Martinskirche um. Um dort aber nicht mit einem Orgelkonzert zur gleichen Zeit ins Gehege zu kommen, verzichtete „Second Hand" auf den Auftritt, der jetzt eben nachgeholt wurde. Aber ein bißchen Pech haben die drei Musiker schon: Nach zwei Zugaben gibt's trotz anhaltendem Applaus nix mehr hinterher, denn mittlerweile werden schon Teile der Verstärkeranlage ins Hauptzelt getragen, wo es gleich mit Kabarett weitergehen wird.
Thorsten Eberding

Folk und Zigeunerjazz beim Kulturspektakel
Open-air unter Neonfarben